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Gerade im Winter ein Hauch von Exotik aus dem Backofen: Erinnerungen an den guten alten Toast Hawaii, andere Varianten und ein modernes Revival (auch plantbased)!

Schließt mal für einen Moment die Augen und stellt euch vor: Es ist Samstagabend, irgendwann Mitte der 70er oder Anfang der 80er Jahre. Im Fernsehen läuft "Wetten, dass..?“ mit Frank Elstner. Ihr sitzt – natürlich frisch gebadet und im Schlafanzug – auf dem alten Sofa im Wohnzimmer. Und dann zieht dieser unverwechselbare Duft aus der Küche zu euch herüber. Ein Duft nach geröstetem Weißbrot, warmem Schinken und – ganz wichtig – künstlich schmelzendem Käse.

Ja, genau! Wisst ihr es noch? Heute geht es um den absoluten König des Retro-Abendessens, den Inbegriff der kulinarischen Weltläufigkeit unserer Kindheit: den Toast Hawaii!

Erfunden hatte ihn ja angeblich schon in den 50er Jahren der Fernsehkoch Clemens Wilmenrod, aber seine absolute Hochzeit erlebte dieser überbackene Traum in den 60er, 70er und 80er Jahren. Er war das schnelle Abendessen schlechthin, wenn Mutti mal keine Lust hatte, groß zu kochen, oder das absolute Highlight bei den legendären Feiern im elterlichen Partykeller (direkt neben Käse-Trauben-Spießen).

Die heilige Architektur des Toast Hawaii

Die Zubereitung war ein ritueller Akt der Hochstapelei, bei dem man eigentlich nichts falsch machen konnte, solange man die Reihenfolge einhielt:
Das Fundament: Eine Scheibe strahlend weißer „Golden Toast“ (damals noch etwas ganz Besonderes gegenüber dem normalen Mischbrot!). Leicht angetoastet und dünn mit guter Margarine oder Butter bestrichen.

  • Die Basis: Eine exakt quadratische Scheibe saftiger Kochschinken.

  • Die Exotik: Eine knallgelbe, zuckersüße Ananasscheibe aus der Dose.

  • Die Schmelzschicht: Die legendäre, in Plastikfolie einzeln eingeschweißte Schmelzkäsescheibe! Sie musste im Ofen exakt so lange überbacken werden, bis sie Blasen warf und an den Ecken leicht gebräunt auf das Backblech tropfte.

  • Die Krönung: Ein Klecks Preiselbeeren aus dem Glas in die Mitte des Lochs oder – für die ganz elitären Genießer – eine leuchtend rote Cocktailkirsche. Wer es pikant mochte, bestäubte das Ganze vor dem Servieren noch beherzt mit edelsüßem Paprikapulver oder frisch gemahlenem Pfeffer.
Was war das für ein Geschmackserlebnis! Heiß, süß, salzig, fettig – und man hat sich fast jedes Mal den Gaumen an der heißen Ananas verbrannt, weil man einfach nicht abwarten konnte.
Die wilden Abwandlungen: Von „Florida“ bis zum Spargel

Aber wir wären nicht wir, wenn wir dieses Erfolgskonzept nicht abgewandelt hätten. Wenn die Ananasdosen mal ausverkauft waren oder ein Kind am Tisch partout keine Ananas mochte, wurde improvisiert.

Erinnert ihr euch an den Toast Pfirsich (manchmal auch etwas mondäner „Toast Florida“ genannt)? Gleiches Prinzip, aber eine weiche, klebrig-süße Pfirsichhälfte aus der Dose thronte wie eine kleine Sonne auf dem Schinken.

Für die Papas gab es oft den Spargel-Toast: Schinken, darauf ein paar labbrige weiße Spargelstangen aus dem Glas und ordentlich Käse drüber. Ein Festessen!


Der Toast Hawaii im 21. Jahrhundert: Ein modernes Retro-Revival


Aber seien wir mal ehrlich: Die Zeiten ändern sich, und mit ihnen auch unsere Ernährungsgewohnheiten. Die bunte Couch ist längst einem grauen Standardsofa gewichen, und der einzeln in Plastik verpackte Scheiblettenkäse hat in vielen Kühlschränken ausgedient. Heute rümpfen Feinschmecker beim klassischen Toast Hawaii oft die Nase. "Konservenfutter", "Zuviel Zucker", "Industriekäse". Mag alles stimmen - deshalb machen wir eine neue, gesündere aber ebenso genussvolle Variante!

Doch die Sehnsucht nach diesem einzigartigen süß-salzigen Geschmackserlebnis aus unserer Kindheit, die ist geblieben! Wie holt man sich also dieses wohlige Gefühl zurück, wenn man heute vielleicht auf Fleisch verzichten möchte oder sich vegan ernährt? Ganz einfach: Wir spendieren dem Klassiker ein liebevolles, modernes Update. Das Konzept bleibt gleich, nur die Darsteller wechseln.

Hier ist die moderne Architektur unseres Retro-Revival-Toasts:

  • Das Fundament: Statt wabbeligem Weißbrot nehmen wir eine kräftige Scheibe Vollkorntoast.

  • Die herzhafte Basis (Adieu, Kochschinken!): Hier wird es spannend! Für die rauchig-würzige Note braten wir hauchdünn geschnittenen Räuchertofu knusprig an. Eine fantastische, erdige Alternative sind auch feine, gekochte Rote Rüben Scheiben (vielleicht mit einer Prise geräuchertem Paprikapulver gewürzt). Sie bringen nicht nur einen tollen Biss, sondern auch eine grandiose Umaminote aufs Brot.

  • Die unantastbare Exotik: Unsere heißgeliebte Ananasscheibe! Die bleibt natürlich genau dort, wo sie hingehört. Ob frisch oder ganz klassisch aus der Dose – hier machen wir keine Kompromisse, Ehrensache!

  • Die Schmelzschicht: Statt Industrieware greifen wir für die vegetarische Variante zu einem herrlich würzigen Bio-Bergkäse oder einem guten Bio-Gouda, der im Ofen feine Fäden zieht. Für die 100% vegane Variante übergießen wir die Ananas mit einer dicken, cremigen veganen Béchamelsauce (mit etwas Muskatnuss und Hefeflocken abgeschmeckt). Die blubbert im Ofen fantastisch und bildet eine traumhafte goldbraune Kruste.

  • Die Krönung: Der Klecks Preiselbeeren in die Mitte des Ananaslochs. Tradition verpflichtet!

Wenn ihr in diese Variante beißt, habt ihr sofort wieder dieses vertraute Zusammenspiel aus heiß, süß, deftig und fruchtig im Mund. Es ist wie eine kulinarische Zeitreise – nur eben mit den gesünderen Zutaten für die Kinder von gestern und Erwachsenen von heute. ;-)

Euer Nostalgicus


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