Ist es möglich, in einem einzigen Kleiderschrank drei Jahrzehnte Modegeschichte zu vereinen?
Marty McFly war in Zurück in die Zukunft aus dem Jahr 1985 mit seinem lässigen Streetware-Look extrem auffällig in den 50er-Jahren. Diese Szene demonstrierte eindringlich, wie sehr sich Mode im Laufe der Zeit gewandelt hat.
Doch Mode ist mehr als nur ein Stil der Zeit, sie ist immer ein Spiegelbild gesellschaftlicher Umbrüche, des Zeitgeists oder sogar klarer Statements.
Begleiten Sie uns also auf eine Zeitreise durch die Jahrzehnte, die durch ihre sozialen und politischen Veränderungen unsere Kleiderschränke geprägt haben und finden wir heraus, was wir davon für einen individuellen Look heute noch mitnehmen können, um auch den eigene Geschmack entsprechend auszudrücken und uns im eigenen Stil selbstbewusst wohl zu fühlen!
Drehen Sie sich unsere Youtube-Musik-Playlist auf, die passend zur Zeit zu diesem Artikel zusammengestellt wurde und genießen Sie eine Zeitreise über die besondere und inspirierende Entwicklung von Mode und Stil.
Die Aufbruchsjahre: Die Revolution der 60iger
Die 1960er Jahre waren ein Jahrzehnt des modischen Protests und der jugendlichen Subkultur, getragen von einem tiefgreifenden Wandel: der sexuellen Revolution durch die Einführung der Anti-Baby-Pille und dem Aufstieg der Pop-Kultur (Beatles, Rolling Stones). Die Jugend definierte sich erstmals aktiv über ihre Musik und Kleidung gegen die Elterngeneration.
Die gesteigerte Autonomie der Frau und die Abkehr von starren Konventionen führten zu einer radikalen Kürzung der Kleiderlänge und zu einem androgynen, spielerischen Stil, der frei von der Betonung der "Hausfrau-Taille" war.
Anfangs dominierte noch der elegante "Jackie-Look", benannt nach Jacqueline Kennedy. Dieser Stil setzte auf Taillen-betonte, aber dennoch klare A-Linien-Kleider und Mäntel, oft in Pastellfarben und kombiniert mit großen Accessoires.
Minirock und Go-Go-Ästhetik
Die Designerin Mary Quant machte den Minirock salonfähig, der zum ultimativen Symbol für sexuelle und soziale Freiheit wurde. Die Säume stiegen auf bis zu 10 cm über das Knie und wurden oft mit Kniestrümpfen oder Strumpfhosen kombiniert. Dazu passten die ikonischen Go-Go Stiefel mit stabilen Blockabsätzen, meist aus glänzendem Kunststoff oder Vinyl.
Die Weltraumrennen und die technologische Begeisterung schlugen sich im "Space Age"-Stil (von Courrèges und Rabanne) nieder. Hier kamen synthetische Materialien wie Vinyl und PVC zum Einsatz, geschnitten in klaren, geometrischen Formen und Mustern. Die Jugendbewegung der Mods setzte in Großbritannien auf dandyhafte, enge Anzüge für Männer und Parkas.
Hippie und Flower Power
Gegen Ende des Jahrzehnts entwickelte sich die Hippie-Bewegung als Protest gegen den Vietnamkrieg und die Materialismen der Konsumgesellschaft. Natürliche Materialien, weite, fließende Silhouetten, Blumendrucke und Batik-Stoffe symbolisierten Pazifismus und Naturverbundenheit.
Fazit 60er:
Die 60er stellten die Mode auf den Kopf: Die Silhouette wurde befreit, die Rocklänge sank ins Bodenlose (oder stieg radikal), und das Kleidungsstück wurde zum Manifest der Jugend und des Aufbruchs.
Das Extrovertierte Jahrzehnt: Die Freiheit der 70iger
Die 70er Jahre waren geprägt vom Aufstieg der Subkulturen und einer immer stärkeren Individualisierung. Wichtige gesellschaftliche Themen waren der Umweltgedanke, die zweite Welle des Feminismus.
Der Wunsch nach einem alternativen Lebensstil führte zur Boho-Mode. Gleichzeitig wurde die Hose für Frauen endgültig zum alltäglichen, schicken Kleidungsstück. Die Disco-Ära bot zudem einen kulturellen Fluchtraum und einen Ort der Selbstdarstellung.
Die wichtigste Silhouetten-Veränderung fand am Bein statt: Die Schlaghose dominierte die Mode für Männer und Frauen. Ob aus schwerem Cord, Wildleder oder Denim, die Hose weitete sich ab dem Knie extrem aus und wurde mit hohen Plateauschuhen getragen.
Boho-Chic und Erd-Töne
Tagsüber bestimmte der Boho-Chic das Straßenbild, eine Weiterentwicklung des Hippie-Stils. Maxikleider mit fließenden Silhouetten, Fransen-Westen, Häkelkleider und Patchwork-Denim waren beliebt. Materialien wie Wildleder und Cord in erdigen Tönen wie Braun, Ocker und Olive bestimmten die Farbpalette.
Der Abend gehörte dem Disco-Glamour, der durch Ikonen wie Donna Summer und Studio 54 bekannt wurde. Man setzte auf Polyester, Satin und alles, was glänzte. Männermode wurde durch enge Anzüge in kräftigen Farben und Hemden mit großen, spitzen Kragen definiert.
Glam Rock und Androgynität
Künstler wie David Bowie prägten den Glam Rock, einen theatralischen und androgynen Stil. Glitzer-Jumpsuits, schrilles Make-up und extravagante Accessoires spielten mit Geschlechterrollen und luden zum Experimentieren mit der Identität ein.
Fazit 70er:
Die 70er waren das Jahrzehnt der Stilmischung und der maximalen Individualität. Die Mode erlaubte das Nebeneinander von Hippie, Disco und Glam Rock – alles war erlaubt, solange es die eigene Persönlichkeit unterstrich.
Die Zeit der Power: Die Übertreibung und der Kontrast der 80iger
Die 80er Jahre waren das Jahrzehnt des globalen Kapitalismus, des Yuppie-Phänomens und des Aufstiegs von MTV. Dieser Zeitraum war von extremen Kontrasten geprägt, die sich in völlig unterschiedlichen Modeströmungen manifestierten: dem demonstrativen Reichtum auf der einen und der konsumkritischen Gegenbewegung auf der anderen Seite.
Der Aufstieg des Neoliberalismus und der Yuppie-Kultur (Young Urban Professional) förderte den Wunsch nach demonstrativem Erfolg. Gleichzeitig führte die Bedrohung durch den Kalten Krieg und wachsende Umweltprobleme zur Entstehung von Bewegungen, die diesen Konsum ablehnten.
Das prägendste Element im Business-Bereich war das Power-Dressing. Extreme Schulterpolster in Blazern und Jacken gaben der Silhouette eine autoritäre, eckige Form. Dieser Look, inspiriert durch Filme wie Wall Street, signalisierte Macht, Härte und beruflichen Erfolg – teure Anzüge und Designer-Denim wurden zu Statussymbolen.
Athleisure und Neon-Kultur (Der Fitness-Stil)
Die Fitness-Welle, angekurbelt durch die Popularität von Jane Fondas Aerobic-Videos, machte Sportkleidung salonfähig. Leggings, Stulpen, Schweißbänder und weite, bauchfreie Sweatshirts wurden zum Streetwear-Standard. Die Neon-Farbpalette und Materialien wie Spandex betonte die Dynamik und den Körperkult.
Eine entspanntere, aber dennoch konsumfreudige Mitte verkörperte der Streetwear-Stil. Helden wie Marty McFly mit seinem Layering-Look (Pufferweste über Jeansjacke) zeigten eine modische Lässigkeit, die noch extremer durch Pop-Ikonen wie Madonna und Cyndi Lauper zu einer bunten Schicht-Kombinationsvielfalt mit besonderen Accessoires ihren Höhepunkt fand. Dieser neue Stil war ein rebellischer Mix aus Vintage-Elementen, knalligen Farben, Netzleiberl oder Spitze, Lagen-Looks und jeder Menge Accessoires – ein spielerischer Pop-Punk, der die Regeln der Mode herausforderte.
Der konsumkritische Anti-Look (Umweltschützer und alternativer Stil)
Als Gegenpol etablierte sich ein anti-modischer, unauffälliger Stil. Angelehnt an die Umweltschutzbewegungen, verzichtete man bewusst auf Markenlogos und Synthetik. Man setzte auf schlichte, funktionale Kleidung in erdigen oder gedeckten Tönen aus Naturmaterialien und als Accessoires maximal Buttons mit passenden Protestsymbolen oder Sprüchen – ein Protest gegen den Materialismus.
Der provozierende Punk-Stil
Eine noch radikalere Form des Protests war der fortgeführte Punk-Stil. Zerrissene Kleidung, Sicherheitsnadeln, Lederjacken, Nieten, Ketten und der ikonische Irokesenhaarschnitt (oft in grellen Farben) waren Ausdruck von Wut gegen das Establishment und die Konsumgesellschaft.
Fazit 80er:
Die 80er waren das Zeitalter der ästhetischen Extreme. Die Mode war eine laute, deutliche Sprache über Macht und Geld (Yuppie-Look), neben einem lässigen Streetware-Look und mutigen Pop-Punk-Elementen bis hin zum ebenso deutlichen Anti-Look.
Was bleibt: individuelle Vibes für den persönlichen Wohlfühl-Stil von heute
Was lehren uns diese Jahrzehnte? Dass Mode eine Sprache ist, die Selbstvertrauen ausdrückt – egal ob durch Rebellion, Glamour oder Kraft im Ausdruck. Die spannendsten Looks entstehen heute durch das mühelose Mischen dieser gegensätzlichen Strömungen, ohne dabei in die Falle der Verkleidung zu fallen.
Der "Marty McFly"-Twist: Tauschen Sie Martys grelle Pufferweste gegen eine schlichtere, gesteppte Steppweste in leicht kombinierbaren dunklen Farben wie Dunkelblau, Oliv, Schwarz oder auch Weinrot. Kombinieren Sie diese über einer blauen oder grauen Jeans-Jacke und beliebigen Jeans. Ergänzen Sie Ihre liebsten Accessoires passend dazu.
Die Damen können jeglichen Layerlook und Materialien kombinieren und alles was gefällt und das Wohlgefühl fördert einfach lässig zusammenstellen, dazu ein paar Accessoires.
Das Layering-Konzept bleibt, aber ohne Neon-Schock oder extremer Accessoires.
Der 60er-Mut zur Form: Integrieren Sie eine A-Linien-Silhouette (Kleid oder Rock) aus strukturiertem Stoff, aber lassen Sie die Go-Go Stiefel weg. Tragen Sie stattdessen Loafer oder schlichte Stiefeletten. Das Ergebnis ist ein eleganter, klarer Look mit Retro-Charme.
Die 70er-Eleganz entschärfen: Holen Sie die Schlaghose (oder "Flared Jeans") zurück, aber wählen Sie dazu ein einfaches, eng anliegendes Oberteil und moderne Plateau-Sneaker (anstelle der massiven Disco-Plateaustiefel). Das streckt die Figur, wirkt aber nicht überladen.
Das 80er-Power-Statement neu interpretiert: Kombinieren Sie einen lässig geschnittenen Oversize-Blazer (mit dezenten, aber strukturierten Schultern) mit einem Band-T-Shirt und der schlichten, weiten Hose der Umweltbewegung. Sie vereinen so Macht und Subkultur in einem spannenden, modernen Look.
Stil ist zeitlos, wenn er selbstbewusst getragen wird. Welchen Modeprototyp reaktivieren Sie als Nächstes für Ihren Alltag?
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